Jagen, Sammeln, Spielen.

Peter Hölscher weist seine Objekte gern als Fundstücke aus, als möchte er sich diskret hinter den Werken zurückziehen, vielleicht mit einem zögerlichen Lächeln, was dem z.T. martialischen Gestus der Arbeiten, die mit unter an archaische Waffen erinnern, widerspricht. Das wäre eine modern gebrochene Variante der List, die wir von Odysseus kennen, der dem Zyklopen mit einem durch Feuer gehärteten Pfahl sein eines Auge aussticht, um sich so davor zu retten, verschlungen zu werden. Jenes eine Auge des menschenverschlingenden Zyklopen steht nach okkulter Lehre für das höhere Schauen in die jenseitige Welt mächtiger Götter, an die heute kein Mensch mehr glaubt. Doch es waren Götter, die dem Odysseus das Schicksal bestimmten und ihn auf eine Irrfahrt schickten; bis der Listige gegen ihre Übermacht doch sein Ziel erreichte. Was Odysseus begann, ist heute längst vollendet. Aber die Macht der alten Götter Griechenlands, ihre Herrschsucht, ihr Neid, ihre Mißgunst, ihr unstillbares Verlangen, all dies, ist nicht verschwunden; allein es bewohnt nicht mehr die lichten Höhen eines von Wolken umgebenen Olymps, sondern es ist in den dunklen Orkus unseres Unterbewußtseins verschwunden, von wo es immer wieder an die Oberfläche will und als diffuses Begehren unser Leben bestimmt.
Peter Hölscher ist alles andere als ein antiker Held. Er ist ein moderner Mensch, und er ist Künstler. Damit nimmt er ein Privileg in Anspruch, das schnell zum Fluch werden kann; denn er folgt dadurch, daß alles, was er schafft keinen Sinn hat, auf eine immer gefährliche Weise seinem eigenen Begehren.
Seine Werke sind so sinnlos wie der trojanische Krieg, den Odysseus den Griechen zu gewinnen half. Lohnte es sich, um der Schönheit Willen einen Krieg zu führen? Sicherlich nicht. Oder doch? Zumindest dann, wenn es um einen zweckfreien Raum geht, dessen Sinn darin besteht, keinen zu haben.
Kunst ist, mag sie auch hier und da hoch dotiert werden, so wertlos wie das Spiel der Kinder, denen das Zeug, mit denen sie spielen, zerbricht. Genau betrachtet ist Kunst allenfalls so wertvoll, wie der Stock oder der Stein, den das Kind zum Spiel aufnimmt, um derethalben, stellt sich ein plötzlicher Verlust ein, es heiße Tränen weint, um ihn dann aber wenige Minuten später achtlos liegen zu lassen.
Aber es war kein Geringerer als der um die Wirklichkeit des Logos bemühte Philosoph Heraklit, der das Spiel der Kinder heiligsprach, in dem er selbst begeistert daran teilgenommen hat. Mit den Kindern spielte er im Heiligtum der Artemis Würfel. Und die Würfel bestanden aus Knochen, die geworfen wurden und ein Muster ergaben, das über Gewinn oder Verlust entschied. Dieses Spiel, so will es die Sage, galt dem Klügsten seiner Zeit als Gottesdienst, es war etwas Heiliges, dem er sich verschrieb und wichtiger, als sich um die Angelegenheiten der Polis zu kümmern.