Der Bengel war ziemlich blau. Er hatte sich nur für eine halbe Stunde aus dem Studio verabschiedet, es wurden drei. Wir waren damit beschäftigt, Fotos für den Ausstellungskatalog aufzunehmen, er sollte assistieren und die Skulpturen festhalten – sie haben ja keine Ständer oder Sockel. Dazu war er ja nun nicht mehr in der Lage, die Zeit drängte aber, wir mussten weitermachen und er gab sein Bestes. Er schaffte es mit überzeugender Sicherheit, immer dann zu taumeln, die Scheinwerfer umzustoßen, ins Leere zu greifen, mir ein Objekt zu verpassen, die Optik zu verhauchen, im Licht zu stehen, Kabel abzuscheren und dergleichen mehr – in allen denkbaren Variationen. Anstatt ihn aber zu verfluchen, ihn gar rauszuschmeißen oder zu erwürgen, fand ich Gefallen an dieser Technik. Wir fotografierten an diesem Abend digital, so konnte ich die Malheurs sofort begutachten, und was ich sah, gefiel mir, die Skulpturen waren nicht zu erkennen, aber ich hatte den Eindruck, dass ich sie auf den Bildern hören konnte. Der Katalog war im Eimer. Ich gab dem Bengel zu trinken.