Für die Biennale in Hann. Münden habe ich zum ersten Mal über mehrere Tage Material für
ein [A]reale fotografiert, im Sommer 2009. Es ist ein Stadtporträt dabei entstanden, eine unwiederholbare Momentaufnahme,
aber ohne jeden dokumentarischen Anspruch. Ich habe mich dann auch entschieden, für dieses Mal die strenge Vorgabe
zu durchbrechen, immer alle Bilder in der Reihenfolge der Aufnahme zusamenzusetzen,
sie sind nach Formen geordnet.
In der Installation »Schlecker« wurde
dieses [A]reale auf eine 3 Meter breite Plexiglasscheibe projiziert, die mit Buttermilch bestrichen war. Sie hing mitten
im Kellerraum des seit 10 Jahren verlassenen Schlecker-Marktes. Durch die Buttermilch, mit der ich auch die Schaufenster
annähernd undurchsichtig geschmiert hatte, bekam das Lokal vor allem auch durch den Geruch ein Stück seines ursprünglichen
Lebens zurück. Während der ganzen Biennale lief die Projektion zusammen mit einer Klanginstalltion Dietmar Bonnens
durch. Dietmar Bonnens Arbeitsweise – für dieses Stück – ähnelt der Areale-Technik in gewisser Weise. Auch er hat
unscharfe, weit entfernete Klänge über- und aneinandergereiht. Durch die unterschiedliche Länge von Klang und Bild,
ergaben sich mit jedem Durchlauf andere Kombinationen, die auch immer neue Assoziationen hervorriefen.
Im Gewölbekeller der ehemaligen Destille war auf einem Bilschirm, zunächst verdeckt durch eine Reihe Säulen, »Alexandra« zu sehen. Dieses [A]reale ist ein Jahr zuvor in Armenien im Rahmen der Gyumri Biennale VI entstanden. Alexandra ist Teil des Projekts Alexandropol, zu dem auch eine vor Ort geschaffene Klangskultur aus Fundstücken gehört. Begleitet wird dieses [A]reale durch eine Komposition von Andreas Schilling und Dietmar Bonnen, gewidmet meinen Klangskulpturen.
In der Burgstraße 26, einem leerstehenden Ladenlokal, haben wir eine Fernsehecke eingerichtet, ein großer Flatscreen-Monitor stand mit dem Rücken zum Schaufenster weiter hinten im Raum. Die Besucher waren eingeladen, auf einem Sofa Platz zu nehmen und die ca. einstündige Installation anzuschauen und zu hören. Im Fernsehen gab es nämlich die »Wolke des Vergessens III«, ein [A]reale, aufgenommen während des gleichnamigen Projekts von Dietmar Bonnen im Loft in Köln. Die Akteure des Projekts waren in Hann. Münden auch an anderer Stelle live zu sehen. Diese Installation funktionierte in 2 Richtungen, denn die Zuschauer waren nicht nur Besucher, sondern auch Teil des Werks, sie waren fernsehguckend im Schufenster zu sehen.