Eine Nacht lang Luxus

Erst kurz vor zwölf hab ich dann verstanden, worum es überhaupt ging. Ich hatte Photoloft für Kölschen Dialekt gehalten, die Einladung längst verklüngelt. Klang aber interessant und irgendwie auch bekannt, eben ein guter Name für etwas, das man verkaufen will; obwohl – ich brauchte im Moment kein Photoloft, mein ganzes Geld war soeben für eine neue Kamra draufgegangen. Fahr ich also mal hin, dachte ich so bei mir. Im Stau nach Köln kamen mir so einige Assoziationen, was Photoloft denn sein könnte. Loft, Loft, Loft, vielleicht Luft? Luft konnte ich mir in Kölsch noch am ehesten als Loft vorstellen.

Nur eine Nacht aus der Enge des Dachgeschosses im Schweinestall entfliehen – ein ganzes Zimmer allein für jede Skulptur, träumte Ben vor sich hin. Anna, die seine Gedanken mit ihren Antennen auffangen konnte, wandte ein, dass Klangskulpturen gar keinen Urlaub machen können, das sei nicht vorgesehen. Da kannte sie Ben aber schlecht.

Das passende Fortbewegungsmittel war schnell gefunden. Im Stall stand schon seit einiger Zeit ein Karton mit Papierfliegern der Firma Zanders herum, die diese als Werbegeschenke an Künstler weitergegeben hatte. Wohin es ging, stand ja drauf: Villa Zanders, Bergisch Gladbach. Papierflieger mit Autopilot – Zanders ließ sich Werbung was kosten …

Die Nacht war wunderbar. "R" bekam das hinterste Zimmer, sodass die anderen endlich mal ohne dessen knarzendes Schnarchen durchschlafen konnten. Am nächsten Morgen – naja, eigentlich war es schon fast Mittag – gaben sie noch ein fröhliches Konzert für die zahlreich strömenden Besucher und machten sich dann zufrieden wieder auf den Heimflug.

"Da würden wir gerne auch mal länger Urlaub machen", sagte Ben, wieder im Stall angekommen. Die anderen stimmten ihm zu.