Babylon: ein Fest mit zunehmender Verwirrung.
Die in Zusammenarbeit mit Bernhard Kucken entstandene Installation »Babylon« erscheint zunächst als ein 1 Meter breites und 13 Meter langes, eher archaisch anmutendes Tisch-Bank-Ensemble. Dies ist kombiniert mit einem dem Charme neuzeitlicher Chemielaboratorien verschriebenen Schlauchsystem zur Bewirtung der am Tisch Platz nehmenden Gäste mit Wasser und Wein. Während die babylonische Gesellschaft in munterer Geselligkeit Gedanken webt, nehmen mehrere harmlos auf dem Tisch montierte Grenzflächenmikrofone ihre Arbeit auf: soeben produziertes Gedankengut wird behutsam zerteilt und dem Tischgespräch vermittels einer Lautsprecheranlage erneut beigesteuert. So mischt sich unmittelbar Vergangenes zunächst kommentierend ins Aktuelle. Eine Steigerung erfährt die noch possierliche Verwirrung durch die Aufnahme von kurzen Loops (Schleifen), die in mehreren Ebenen übereinander gelegt werden. Aus den Sprachaufnahmen des Publikums entstehen so Rhythmen, die ebenfalls wieder eingespielt werden.
Während das Gespräch auf diese Weise in biblischer Treue stetig mehr aus den Fugen der Verständigung und des Sinns gerät, schließen sich andernorts oder vielmehr auf anderer, nämlich musikalischer Ebene, Tonfolgen zu Rhythmen und Harmonien zusammen, in welche auch Musikfragmente eingewoben sind.

Am Abend bewies die etwa 50 Personen starke Tischgesellschaft zuzüglich weiterer ca. 100 stehend teilnehmender Gäste, die keinen Platz am Tisch gefunden hatten, dass die Erinnerung an göttliche Strafen profanem heidnischem Glück nicht im Wege stehen muss. Allerdings mischte sich mit vorgerückter Stunde auch mehr und mehr der zweite Dionysos ein, bis dieser in Streit mit Bacchus darüber geriet, wer von beiden nun der wahre Gott sei, was dann leider schon um 1:30 Uhr die letzten Gäste vertrieb.